DIE ETAPPEN DER THERAPIE

 

 

Die Methode des Dr. Vittoz wurde anhand Beobachtungen eines Gehirns, das „normal“ funktioniert, aufgebaut. Unser Gehirn hat zwei wichtige Funktionen, die abwechslungsweise arbeiten : Empfangen und Senden.

Die Rezeptivität ist die Fähigkeit des Gehirns die Informationen der Aussenwelt oder unseres eigenen Körpers zu empfangen, wahrzunehmen. Es gilt nun diese sensorische Aufnhamefähigkeit des Gehirns zu entwickeln, damit sie so bewusst und objektiv wie möglich wird.

Die Emissivität, ist die Fähigkeit des Gehirns, Gedanken, Worte, Gesten und Vorstellungen zu bilden, d.h. mentale Inhalte zu äussern. Um nun gut „senden“ zu können, d.h. gesunde und kontrollierte Gedanken zu haben, ist es vorerst wichtig, richtig „empfangen“ zu können.

 

 

 

Die erste Etappe, um die Kontrollfähigkeit des Gehirns wiedezuerlangen, besteht darin, dass man die Aufnahmefähigkeit des Gehirns trainiert. Für Dr. Vittoz ist dies die Basis aller mentalen Prozesse, die erste Komponente der Kontrollfunktion des Gehirns. Diese Funktion ist bei jeder Person, die schwache Nerven hat, gestört.

 

Wir nehmen die äusseren Reize dank unserer fünf Sinne wahr; sie verbinden uns mit der Aussenwelt. Wir nehmen aber auch die Empfindungen unseres eigenen Körpers wahr.

Doch meistens funktionieren unsere Sinne automatisch und wir nehmen nur unbewusst oder halb bewusst auf. Wir müssen deshalb wieder lernen, wirklich bewusst zu sehen, zu hören, zu berühren, zu riechen, zu schmecken, unsere Körperemfindungen wahrzunehmen und zwar auf objektive Art, unmittelbar, ohne dass sich Gedanken oder Vorstellungen dazwischen gleiten. Dazu gibt es spezifische Übungen.

Somit lernt die Person während zwei oder drei Sekunden, anstrengungslos, seine Gedanken aufzuheben und sich ganz der Empfindung hinzugeben. Sie lernt auch, ihren Körper besser zu spüren, indem sie z. Bsp. ihre Finger, Handgelenk und Ellbogen leicht bewegt.

 

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Physiologie des Gehirns und des Nervensystems hat seitdem enorme Fortschritte gemacht und bestätigen die intuitiven Hypothesen von Dr. Vittoz. Die sogenannt „reine“ Sinnesempfindug bringt das Gehirn durch das Ausschalten gewisser mentaler Funktionen automatisch zur Ruhe. Dadurch kann das Gehirn Energie tanken (beim Denken verbraucht es Energie).

Es genügt also, dass man sich einen Augenblick der Empfindung hingibt, um das Denken und damit auch die Gefühle, die dabei aufsteigen und uns überkommen, zu stoppen.

Um dieses Empfindungsvermögen zu fördern, braucht es aber ein gewisses Training, denn wir sind es gewohnt, hauptsächlich auf geistiger Ebene zu „funktionieren“.

 

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Sobald wir, d.h. unser Gehirn, gelernt haben, bewusst zu empfinden, wenden wir diese aktive Haltung auf die geläufigsten Handlungen im Alltag an; diese werden somit bewusst. Diese bewussten Handlungen versetzen uns in die Gegenwart und dieser „Gegenwartszustand“ ist die Grundlage der Vittoz Methode.

„ Bei einer bewussten Handlung soll das Gehirn bewusst die Empfindungen aufnehmen und nicht denken“ sagt Vittoz . Man kann schon am Morgen beim Aufstehen damit beginnen, indem man z. Bsp. den Boden unter den Füssen spürt. Dann spürt man die Beweglichkeit der Fuss- und Kniegelenke, wenn man sich in Bewegung setzt, das Atmen in der Brust. Man nimmt die Geräusche im Haus und von der Strasse wahr. Man spürt das Wasser auf dem Körper, wenn man sich wäscht, die Kleider beim Anziehen, die Wärme und der Geschmack des Kaffees oder des Tees beim Frühstücken.

 

Eine bewusste Handlung wird zuerst entschieden (ich mache dies oder jenes bewusst) , zweitens gespürt und drittens festgestellt, dass sie fertig ist und wie man sich nun fühlt. Ihre Wirkung ist ein Gefühl von Ruhe, Einheit und dass man sich im „Hier und Jetzt“ befindet . Falls man sich weder ruhig noch gegenwärtig fühlt, so hat man die Handlung nicht im Bewusstsein der Empfindungen ausgeführt, sondern in Gedanken. Kein Wunder, denn wir sind so erzogen worden.

Mit den bewussten Handlungen lernt man, wie gesagt, in der Gegenwart zu leben, ohne auf die Vergangenheit zurückzuschauen (wie diejenige, die ständig von Skrupeln geplagt werden), noch sich in die Zukunft zu versetzen (wie diejenigen, die sich ständig sorgen machen). Im Jetzt zu leben, ist eine Erfahrung, die ein Gefühl von Ruhe, Sicherheit und Harmonie gibt. Das Selbstbewusstsein wird dabei gestärkt und gewisse Patienten heilen schon allein beim Üben von bewussten Handlungen.

 

Falls es einen Rückfall gibt, genügt meistens die Wiederaufnahme der Übungen. Die Arbeit, die mit Vittoz Übungen erworben wurde, bleibt wirksam. Dr. Vittoz schreibt: „Eine Sekunde Rücknahme genügt, um sein Freiheitsgefühl wieder zu erlangen. Während dieser Sekunde finden Sie ihre Einheit und Ruhe wieder und lassen sich nicht mehr von irgendeinem Gedanken oder Gefühl beherrschen.“

Durch eine regelmässige und bewusste Arbeit an sich selbst, wird der Patient Erwachsen, d.h. er fühlt sich verantwortlich für seine Gedanken und Handlungen. Er schiebt nicht dauernd die Schuld seiner Misserfolge und Enttäuschungen den andern zu.

Dank der Vittoz Therapie wird der Patient dem Leben und den Ereignissen gegenüber viel objektiver, er lernt den „Andern“ mit seinen guten und schlechten Eigenschaften zu akzeptieren und anerkennt sich selbst und dem Andern, das Recht sich zu irren. Die Vittoz Methode, besonders die Einstellung, die dahinter steckt, ist eine wirksame Hilfe vor dem weitverbreitetem Gefühl der Sinnlosigkeit des Lebens oder der existentiellen Leere, die Angstgefühle verursachen. Diese Vittoz Einstellung hat etwas Gemeinsames mit der alten Lebensweisheit des „Hier und Jetzt“.

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Der Vittoz Therapeut hat die Methode während den 3 bis 4 Jahren seiner Ausbildung und auch nachher unter Beaufsichtigung an sich erprobt. Er hat sich in dieser Zeit Kenntnisse in Humanwissenschaften angeeignet. Aber er verfügt ausserdem über ein zuverlässiges Mittel, um die Schwierigkeiten und Fortschritte während des Trainings der Kontrollfunktion des Gehirns seines Patienten zu beobachten: die Fähigkeit, die Vibrationen des Gehirns wahrzunehmen.

Dr. Vittoz fand heraus, dass das Gehirn, je nachdem, ob es sensorisch oder geistig arbeitet, gespannt oder ruhig ist, sich verschieden verhält, und dass man dieses Verhalten als Vibration, wie beim Abtasten vom Puls oder dem Abhorchen von Herz und Lunge, von aussen feststellen kann.

Noch zu seinen Lebzeiten wurde diese Vibration, die man auch „Vittoz Phänomen“ nennt, auf ein einfaches Gerät, später auf ein elektronisches, aufgenommen.

Der Therapeut lernt diese mit seiner Hand wahrzunehmen, was ihm wertvolle Hinweise zur Führung des funktionellen Trainings des Gehirns gibt, insbesonders bei den sensorischen Übungen.

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Die Aneignung des Konzentrationsvermögens, ist die zweite Etappe der Therapie, denn sie ist die zweite Komponente der Kontrollfunktion des Gehirns. Dank der sensorischen Übungen und der bewussten Handlungen lernt man seine Sinne zu kontrollieren ; die Konzentrationsübungen helfen die Gedanken zu zügeln.

 

Der Konzentrationsmangel kommt daher, dass wir so oft geistig abschweifen und von einem Gedanken zum andern flattern. Die einzige Art, die wir gelernt haben, um uns zu konzentrieren, ist uns mit grosser Anstrengung zu sammeln und dabei verkrampfen wir uns. Im Gegenteil: wenn wir wirklich aufmerksam und konzentriert sind, sind wir entspannt, ruhig und aufnahmefähig.

 

Hier einige Übungen dazu:

1° Die Konzentration auf den eigenen Körper: es ist die Fähigkeit seine Aufmerksamkeit auf eine Körperstelle zu richten, ohne sich dabei ablenken zu lassen. So wird man sich des Lebens in sich bewusst. Dies wirkt auch schmerzlindernd.

2° Die Konzentration auf die Atmung bringt Entspannung und zügelt die Gedanken.

3° Die Konzentration auf graphische Darstellungen, d.h. mit dem geistigen Auge einfache genaue Linien oder geometrischen Formen zeichnen, wie z.Bsp. die Zahl 1, ein Dreieck, einViereck, einen Kreis, eine Spirale, ein Unendlichkeitszeichen, oder einen G-Schlüssel, usw. , deren Aufgabe es ist, unsere mentale Tätigkeit zu zügeln. Diese Zeichen haben auch einen symbolischen Wert, eine analogische Verbindung mit gewissen seelischen Zuständen. Eine vertiefte Arbeit mit ihnen kann die Psychotherapie vorbereiten.

4° Die Konzentration auf eine Vorstellung oder ein Gefühl. Man lernt dank einer Vorstellung nach Belieben einen Zustand oder ein Gefühl hervorzurufen, sei es ein Gefühl der Ruhe, der Energie, der Freude oder des „Gegenwärtig Seins“. Dr. Vittoz sagt, die Vorstellugen sollen bewusst und dem Willen unterworfen sein.

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Für Vittoz ist der Wille eine „freie, unabhängige, intelligente Kraft, die in uns ist, und sich unter gewissen Bedingungen entfaltet“. Auch der Wille ist eine Komponente der Kontrollfunktion des Gehirns.

 

Der echte Wille hat nichts mit Spannung, Anstrengung oder Volontarismus zu tun. Je gespannter man ist, umso unfähiger ist man, etwas zu „wollen“. Der Energieaufwand ist viel zu gross, um etwas zu tun, das eigentlich nur wenig innere Kraft benötigt. Der Wille ist die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Wenn das, was wir ausführen wollen, klar, machbar und ehrlich gewollt ist, so löst dieses Gefühl die Handlung von selbst aus. Wir müssen dabei unseren aktiven Willen genau spüren, ebenso wie nachher das Ruhegefühl, das die Verwirklichung einer Entscheidung mit sich bringt.

Dazu gibt es spezifische Übungen.

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Wenn das Empfindungs- und das Konzentrationvermögen gut erworben sind, kann mit diesem neuen Verfahren begonnen werden. Die Fähigkeit bewusst und kontrolliert zu bleiben, die wir trainiert haben, ist aber noch anfällig. Das Leben mit seinem Stress und Agressionen schont unsere Gefühle nicht. Wir können uns zwar mit den sensorischen Übungen und den bewussten Handlungen rasch wieder erholen (Rücknahme), nichtsdestoweniger werden unangenehme Eindrücke aufgenommen. Um diese negativen Empfindungen loszuwerden und zu vermeiden, dass sie gespeichert werden, wenden wir ein spezielles Verfahren an: das tägliche Ausschalten.

 

Dieses Verfahren wird erst angewendet, wenn man die Methode schon teilweise integriert hat.

Wir lernen zuerst konkrete Gegenstände von unserem Gesichtskreis verschwinden zu lassen und erst nachher Gefühle auszuschalten.

Abends oder an einem sonstigen günstigen Augenblick, macht man einen Tagesrückblick auf der Suche nach Zwischenfällen, die ein unangenehmes Gefühl hinterlassen haben, die unser Selbstgefühl verletzt haben. Man erlebt die Situation geistig nochmals, sucht ein geeignetes Wort, das das negative Gefühl am besten bezeichnet, schreibt es auf ein Papier oder auf eine geistige Leinwand, und, nachdem man es nochmals gespürt hat und den Entschluss gefasst hat, sich von diesem Gefühl zu befreien, löscht man Buchstabe um Buchstabe aus und spürt dabei, wie das negative Gefühl mit dem Wort verschwindet. Dann lässt man ein Wort aufkommen, das dem neuen, positiven Gefühl entspricht, schreibt es auf und prägt es sich ein. Es ersetzt den alten Zustand und trägt zum Wiederaufbau des psychischen Gleichgewichts bei. Wendet man dieses Verfahren täglich an, so verändert sich unser Leben, wir erwerben eine sichere innere Ruhe.

 

Für gewisse Leute genügt das funktionelle Training der Vittoz Methode. Es ist allerdings empfohlen, diese Übungen weiterhin im Alltag anzuwenden.

Für andere Leute ist es notwendig tiefer zu gehen. Wenn bei der täglichen Ausschaltung immer die gleichen Gefühlsreaktionen auf die gleichen Ereignisse aufkommen, so weist das auf ein Engramm hin. Da ist eine tiefere psychische Arbeit empfohlen. Dank seiner vielseitigen Ausbildung ist der Vittoz Therapeut in de Lage, seinen Patienten weiterhin auf seinem Weg zu begleiten.

 

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7) Die psychosensorische Entspannungsübung

 

Die psychosensorische Entspannung ist eines der Mittel, die verschiedenen Etappen der Therapie einzuführen. Der Therapeut hat verschiedene Möglichkeiten, den Patienten zu entspannen, seinen Stresspegel zu senken. Falls er ihm die oben beschriebenen sensorischen und Konzentrationsübungen einleitet, währenddem er schon entspannt ist, so sind diese besonders wirksam.

 

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Es wäre falsch anzunehmen, die funktionelle Behandlung (das oben beschriebene Training) und die Psychotherapie seien zeitlich völlig voneinander getrennt. Schon bei den ersten Übungen setzt ein fruchtbarer Dialog zwischen Patienten und Therapeuten ein, der ganz von der Geschichte des Patienten und der Erfahrung des Therapeuten abhängt.

 

Dr. Vittoz schreibt, dass „die psychische Behandlung sich an den Geist wendet, an die Gedanken und Vorstellungen und deren Entstehung, an die verschiedenen Veränderungen, die der krankhafte Zustand des Gehirns dem Vorstellungsvermögen einprägt und somit Tatsachen, Gedanken und Gefühle deformiert... Man soll dem Kranken zeigen, dass es ein Gedanke ist, der ein Symptom hervorruft ... Somit hat dieser genügend Mittel, um sich zu heilen und um neue geistige Gewohnheiten zu schaffen“.

 

Wir haben es hier mit einer Therapie zu tun, deren Ziel die Befreiung und die Heilung ist.

Der Therapeut lässt sich bei dieser Behandlung vom Beitrag der modernen Tiefenpsychologie inspirieren, so z.Bsp. bei der Arbeit mit Gefühlen oder mit Symbolen.

 

 

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